
Regulierung, Krisen, ESG-Müdigkeit – vieles ist von der Agenda verschwunden. Entgelttransparenz nicht. Ab 2026 wird sie zur verbindlichen Führungsaufgabe.
Die letzten Monate haben gezeigt, wie schnell sich Prioritäten verschieben. Seit „Omnibus“, geopolitischen Spannungen, Inflation und multiplen wirtschaftlichen Krisen ist ESG spürbar aus der öffentlichen Diskussion gerückt. Nachhaltigkeit wirkt vielerorts wie ein Thema auf Wiedervorlage.
Doch genau hier liegt ein Denkfehler.
Mit der EU-Entgelttransparenzrichtlinie kommt ein regulatorischer Hebel, der die „Social“-Dimension von ESG unmittelbar in die Unternehmenspraxis holt – verbindlich, überprüfbar und mit klaren Konsequenzen. Equal Pay ist damit kein Image-Thema mehr, sondern Governance-Frage.
Warum ist das relevant?
Weil Vergütung kein Nebenschauplatz ist. Gehalt ist Wertschätzung in Zahlen. Und Transparenz entscheidet darüber, ob ein Unternehmen glaubwürdig führt – oder Diskussionen riskiert, die intern wie extern Vertrauen kosten.
Die Fakten in Kürze
Bis 7. Juni 2026 muss die Richtlinie in nationales Recht umgesetzt werden. Ab 2027 greifen Berichtspflichten für Unternehmen ab 100 Mitarbeitenden.
Künftig gilt:
- Gehaltsangaben bereits im Recruiting-Prozess
- Verbot der Frage nach dem bisherigen Einkommen
- Individuelles Auskunftsrecht für Mitarbeitende
- Reporting zum Gender Pay Gap
- Verpflichtende Maßnahmen bei einem unerklärten Entgeltgefälle von ≥ 5 %
Was das strategisch bedeutet
Entgelttransparenz berührt drei Ebenen:
- Compliance: Rechtssicherheit und Minimierung von Haftungsrisiken.
- ESG: Messbare Gleichstellung ist Teil der Social- und Governance-Kriterien.
- Employer Branding: Transparente Vergütung wird zum Wettbewerbsvorteil im Recruiting.
Praxis-Checkpoints 2025–2026
- Analyse der bestehenden Vergütungsstruktur
- Definition objektiver, geschlechtsneutraler Bewertungskriterien
- Aufbau sauberer Daten- und Reportingprozesse
- Anpassung von Stellenanzeigen und Interviewleitfäden
- Schulung von Führungskräften im Umgang mit Gehaltstransparenz
Fazit: ESG mag medial leiser geworden sein. Regulierung ist es nicht. Wer Entgelttransparenz jetzt strukturiert angeht, reduziert Risiken – und positioniert sich als modernes, verantwortungsvolles Unternehmen.
Beste Grüße
Daniela Gruber
LINDLPOWER Personalmanagement | LP impact Personalmanagement