Jahrelang stand bei ESG vor allem eine Frage im Mittelpunkt: Was müssen wir berichten?
Heute rückt eine andere Frage in den Vordergrund:
Wer setzt die steigenden Anforderungen eigentlich um?
Unternehmen beschäftigen aktuell Themen wie die EU-Verpackungsverordnung, Lieferkettenanforderungen oder die Entwaldungsverordnung. Die regulatorischen Vorgaben werden nicht weniger, sondern mehr. Gleichzeitig betreffen sie immer häufiger unterschiedliche Unternehmensbereiche.
Die Folge: Nachhaltigkeit wird zunehmend von einem Spezialthema zu einer organisationsweiten Aufgabe.
Nachhaltigkeit wandert in die Fachbereiche
Vor einigen Jahren wurden häufig ESG-Manager:innen oder ESG-Controller:innen gesucht. Heute zeigt sich ein anderes Bild.
Viele Anforderungen müssen dort umgesetzt werden, wo die operativen Entscheidungen getroffen werden: im Einkauf, im Qualitätsmanagement, in der Produktentwicklung oder entlang der Lieferkette.
Deshalb suchen Unternehmen heute verstärkt Menschen, die Nachhaltigkeitsanforderungen direkt in ihrem Fachbereich umsetzen können. Nachhaltigkeit wird damit weniger zu einem eigenständigen Berufsbild und mehr zu einer zusätzlichen Kompetenz innerhalb bestehender Funktionen.
Die entscheidende Frage: Wer behält den Überblick?
Genau hier entsteht jedoch eine neue Herausforderung.
Je mehr Themen in die Fachabteilungen wandern, desto wichtiger wird eine zentrale Koordination. In Gesprächen mit Geschäftsführer:innen geht es deshalb heute oft weniger um Berichte oder Kennzahlen, sondern um ganz praktische Fragen:
- Wer beobachtet neue regulatorische Entwicklungen?
- Wer priorisiert die notwendigen Maßnahmen?
- Wer koordiniert die Umsetzung über mehrere Bereiche hinweg?
- Und wer trägt letztlich die Verantwortung?
Denn wenn niemand den Gesamtüberblick behält, steigt das Risiko von Doppelgleisigkeiten, Unsicherheiten und verzögerten Entscheidungen.
Nachhaltigkeit wird zur Organisationsfrage
Viele Unternehmen diskutieren derzeit, wo das Thema am besten verankert werden soll. Manche ordnen es direkt der Geschäftsführung zu, andere dem Qualitätsmanagement, dem Compliance-Bereich oder einer zentralen Stabsfunktion.
Aus meiner Sicht ist die konkrete organisatorische Zuordnung dabei oft weniger entscheidend als die Klarheit über die Verantwortung.
Denn genau dort liegt aktuell die größte Herausforderung: Die meisten Unternehmen verfügen heute über ausreichend Wissen zu Nachhaltigkeitsthemen. Informationen, Leitfäden und rechtliche Einschätzungen sind verfügbar.
Was häufig fehlt, ist eine klar definierte Verantwortung für die Steuerung und Umsetzung.
Fazit
Die meisten Unternehmen haben heute kein Wissensproblem mehr. Sie haben ein Verantwortungsproblem. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht: Welche Vorschrift kommt als Nächstes?
Sondern: Wer hält im Unternehmen die Fäden in der Hand?
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📩 Daniela Gruber, Co-Founder LINDLPOWER impact Personalmanagement
daniela.gruber@lp-impact.com